Was steckt im Heu?

Das A und O in der Pferdefütterung ist eine gute, ausreichende und passende Raufutterversorgung. Stimmt diese nicht, so nutzen die besten Ergänzungsfuttermittel nichts. Die Werbung verspricht zwar anderes, aber Fakt ist: Eine schlechte Raufutterversorgung kann ich nicht über Pülverchen hier und da ausgleichen. Ich kann vielleicht Schadensbegrenzung betreiben, aber Probleme, die durch schlechtes Raufutter entstehen, kann ich  nur dadurch beheben, dass ich das Problem beseitige und es besser mache. Die höchste (und damit meine ich wirklich die ALLERHÖCHSTE) Priorität in der Pferdefütterung hat also IMMER die Qualität der Raufutterversorgung!

 

Tatsächlich aber erlebe ich tagtäglich, dass Pferdebesitzer sich im Internet ausführlich informieren über diverse Arten von Stoffwechselerkrankungen, über viele unterschiedliche (und teilweise wirklich exotische) Möglichkeiten der Futterergänzungen, über Umweltprobleme, Giftstoffe, Schädlichkeit von Wurmkuren, Impfungen, Strahlungen usw - aber die beiden wichtigsten Punkte in der Fütterung (nämlich sauberes Wasser und passende Heuqualität) werden dabei kaum oder wenig mit einbezogen. Dabei sind es neben Stress vor allem schlechte Wasser- und /oder unpassende Raufuttergaben, die unsere Pferde krank machen! Zum Raufutter zählen nicht nur Heu (oder Heulage) sondern auch Stroh, Zweige und Äste. Heu macht jedoch den weit grössten Anteil aus und so geht es in diesem Artikel also um die Heuqualität.

 

 

 

 

 

2 unterschiedliche Heu-Chargen im Januar - beide in derselben Scheune dunkel gelagert!

Worauf ist allgemein zu achten?

Frage ich in Beratungen danach, welche Art von Heu gefüttert wird, bekomme ich nicht selten zur Antwort: "Wir kaufen nur Heu  von ungespritzten, ungedüngten Wiesen - davon können die Probleme also nicht kommen!"  Da  muss ich leider jedoch sagen: Das sagt nichts über die Heuqualität aus und auch die beste Wiese nützt gar nichts, wenn das Heu nicht zur richtigen Zeit gemäht (dabei sollte das Mähwerk nicht zu tief eingestellt sein), häufig und sorgfältig genug gewendet, locker genug gepresst, wirklich trocken eingebracht und sachgemäss (trocken, aber mit ausreichender Belüftung) gelagert wurde. 

 

Anhand von Optik, Haptik und Geruch kann man schon Einiges über die Heuqualität erfahren. Allerdings setzt das ein klein wenig Erfahrung und auch Vergleichsmöglichkeiten voraus. In vielen Ställen jedoch wird seit Jahre eine annähernd gleiche Heuqualität gefüttert und dann als normal und richtig angesehen. So kennen  einige Pferdehalter nicht mehr die vielen unterschiedlichen Gerüche von Heu und haben auch kein Gefühl dafür, ob dieses Heu nun zum Beispiel gut strukturiert oder schon zu grob ist. Auch Aussagen wie "Es ist doch normal, dass Heu staubt" höre ich tagtäglich. Mir zeigen solche Gespräche immer wieder: Tatsächlich wissen viele Pferdehalter nicht mehr, wie gutes Heu sich anfühlen, wie es riechen und auch aussehen sollte.  

Gutes Heu sollte also aromatisch und frisch duften, sich locker aufschütteln lassen ohne dass es staubt und es sollte eine grüne Farbe aufweisen (leicht ausgeblichen darf es sein, aber gutes Heu ist weder gelb, noch braun und auf gar keinen Fall grau oder dunkelbraun/schwarz). Es sollte gut strukturiert, aber nicht sperrig sein. Und klamm darf es sich auf keinen Fall anfühlen! 

 

Um ein solches Heu zu ernten, wird in der Regel die Wiese in der Blüte / gegen Ende der Blüte gemäht. Seit einigen Jahren wird jedoch der Schnittzeitpunkt häufig deutlich weiter nach hinten verlagert, weil viele Besitzer sehr leichtfuttriger Pferde gerne möglichst energiearmes Heu verfüttern möchten, um ausreichend lange Fresszeiten anbieten zu können. Dabei wird nicht selten sehr übers Ziel hinausgeschossen und viel zu spät geerntet. Solch spät geerntetes Heu ist zwar tatsächlich energiearm, jedoch ist es auch nährstoffarm (es fehlen nicht nur Mineralstoffe, auch der Eiweissgehalt reicht dann oft zur bedarfsgerechten Versorgung nicht mehr aus). Ausserdem enthält so sehr spät geerntetes Heu zu viel Lignin und auch die Verpilzung nimmt mit Ende der Blüte immer weiter zu. 

 

 

 

 

Ohne Heuanalyse hätte man sich hier wohl später sehr über den plötzlich so hohen Zink- und Manganbedarf gewundert. Der Eisengehalt in diesem Heu ist viel zu hoch.

Wie kann ich besser einschätzen, was ich da füttere?

Je mehr man darüber weiss, was man dem Pferd also tagtäglich in grosser Menge gibt, desto besser kann man einschätzen, ob und welche Probleme des Pferdes möglicherweise von der Qualität des Heus herrühren. Wie oben erwähnt kann man über die Qualität des Heus schon einiges über Aussehen, Geruch und Struktur erfahren. Es gibt jedoch viele andere Kriterien, die man dem Heu nicht von aussen anmerken kann.  Aus diesem Grund lasse ich selber mein Heu im Labor entsprechend untersuchen und empfehle das häufig auch meinen Kunden. 

 

Die übliche Reaktion, wenn ich die Möglichkeit einer Heuanalyse anspreche ist: "Nein, das geht nicht! Damit wird mein Heulieferant (oder der Stallbetreiber) nicht einverstanden sein! Und ausserdem würde es eh nichts nützen, denn ich muss ja diese Heu füttern und habe keine andere Wahl!" Es geht aber bei einer Heuanalyse nicht unbedingt nur darum, "Fehler" zu suchen. Natürlich kann man anhand solcher Analysen auch feststellen, ob dieses Heu überhaupt als Pferdefutter geeignet ist. Aber ebenso wichtig ist es, dass man sehen kann: Was ist da überhaupt im Heu an Nährstoffen enthalten? Wo muss ich ergänzen? Was ist schon genug enthalten? Bitten Sie also Ihren Lieferanten oder Stallbetreiber, eine Heuanalyse durchführen lassen zu dürfen, um anhand des Ergebnisses dann die Futterergänzungen passend berechnen zu können. Das ist also vollkommen wertfrei und hat nichts mit Misstrauen dem Heulieferanten oder Stallbetreiber gegenüber zu

tun. 

 

Was kann man anhand einer Heuanalyse feststellen?

Bestandteil einer Heuanalyse ist zunächst die sensorische Prüfung: Menschen, die Tag für Tag Heu untersuchen, beurteilen Geruch und Aussehen. Eine solche Einschätzung kann schon hilfreich sein.

 

 

 

 

Zu niedriger Trockensubstanzgehalt - da wird es vermutlich Probleme mit Schimmelbefall geben! Der hohe Rohfasergehalt lässt ausserdem eine späte Ernte vermuten (so war es auch).

Dann geht es weiter mit der Vollanalyse: Dazu zählen Werte für Trockensubstanz, Rohfaser, Rohasche, Rohprotein und Rohfett. Eine sogenannte Vollanalyse beeinhaltet also noch keine Werte für Mengen- und Spurenelemente. Diese muss man in der Regel zusätzlich in Auftrag geben. Aber an der Vollanalyse kann man schon einiges sehen: Ist der Trockensubstanzgehalt hoch genug? Ist dieser Wert zu niedrig, wurde das Heu zu feucht eingebracht oder es wird nicht trocken genug gelagert und vermutlich wird es darum später Probleme mit Schimmelbefall geben.

Der Rohfasergehalt steigt, je später das Heu geerntet wird - gleichzeitig sinkt der Rohproteingehalt. Ein guter Rohfasergehalt ist wichtig, ein zu hoher Wert zeigt jedoch an, dass wir es vermutlich mit zu überständig geerntetem Heu zu tun. 

 

Welche Menge das Pferd vom untersuchten Heu fressen sollte, um seinen Energiebedarf zu decken und auch wieviel es davon fressen darf, ohne überversorgt zu sein (also zu dick zu werden), kann man am Wert für die umsetzbare Energie (MJ / kg) ablesen.

 

Für viele Pferde ist eine möglichst kohlenhydratarme bzw zuckerarme Fütterung sehr wichtig. Eine Analyse schon vor dem Kauf ist hier ratsam, denn Zuckergehalte im Heu können sehr unterschiedlich aussehen. Meine Erfahrung ist: Heulieferanten sind in der Regel sehr offen, hilfsbereit und interessiert, wenn man einfach ganz  sachlich über die gesundheitlichen Probleme dieses Pferdes aufklärt und betont, dass diese Probennahme also nichts mit einem Infragestellen der Qualität des Heus zu tun hat. 

 

Bei den Mineralstoffen kann man in der Regel zwischen unterschiedlichen Analysenpaketen auswählen. Als wichtig für die Futterberechnungen sehe ich dabei vor allem die Werte für Calcium, Phosphor, Magnesium, Kupfer, Zink, Mangan, Eisen und Selen an.  Eine Blutuntersuchung kann zwar über die Spurenelementversorgung teilweise etwas Aufschluss geben, jedoch sagen die Werte von Calcium und Phosphor im Blut nichts aus über die Versorgung aus. Hier hat man also lediglich über eine Heuanalyse die Möglichkeit,  Aufschluss über die Gehalte und das Ca : P - Verhältnis im Heu zu erhalten. 

Wichtig in der Futterberechnung ist auch der dünndarmverdauliche Rohproteingehalt des Heus.  Ganz besonders wenn Pferde abnehmen sollen und ihnen darum überständig geerntetes Heu streng rationiert angeboten wird, muss man hier genau schauen! Nicht selten reicht bei einer solchen Diätfütterung die Versorgung an Eiweiss nicht aus. Da wundert man sich dann manchmal, dass das Pferd trotz reichlicher Mineralfuttergaben immer stärkere Haut- und Hufprobleme und Schwierigkeiten mit dem Fellwechsel bekommt - aber an Eiweiss wird oft nicht gedacht. Denn laut Literatur haben wir in unseren Breiten nicht mit Eiweissmangel zu rechnen, aber diese Aussage bezieht sich darauf, dass man von Schnittzeitpunkten spätestens zum Ende der Blüte ausgeht.

 

 

 

 

 

 

Hier kann es (besonders bei rationierter Fütterung) leicht zu Engpässen in der Eiweissversorgung kommen)

Wenn Pferde immer wieder unter Husten, Kotwasser oder Leberproblemen leiden, sollte man unbedingt auch eine Untersuchung auf Hefen und Pilze mit in Auftrag geben und diese evtl. nach einigen Wochen wiederholen. Nicht immer bemerkt man Schimmelbefall im Heu so einfach! Untenstehendes Untersuchungsergebnis stammt von gut duftendem, nicht auffällig staubendem Heu. Auch im Labor wurde bei der sensorischen Prüfung nichts Auffälliges bemerkt. Es handelte sich um einen Keim (Wallemia), der typischerweise auftritt, wenn das Heu zwischendurch feucht geworden ist. Tatsächlich stellte sich heraus: Es gab ein Problem im Heulager, das Dach war undicht. Es wurde also tadelloses Heu gekauft, jedoch verdarb es durch die Probleme im Lager.

Zugegeben: Solche Befunde sind unbequem. Aber es ist falsch, deswegen die Augen zu verschliessen! Rechnen Sie die Kosten für Tierarzt und Zusatzmittel zusammen und dann berechnen Sie die Kosten für Heu.  Ist es also wirklich so unzumutbar, Heu zu entsorgen und neu zu kaufen zugunsten der Gesundheit des Pferdes?

 

Wie und wo kann man eine Heuanalyse machen lassen?

Heuanalysen werden von den den jeweiligen Landwirtschaftskammern angeschlossenen Untersuchungsinstituten angeboten (Lufa) oder auch anderen des VDLUFA angeschlossenen Laboren. In der Schweiz macht es zB die UFAG (Auftragsformular finden Sie hier). 

 

Für eine Heuanalyse entnehmen Sie 5 bis 10 Einzelproben, denn natürlich gibt es Schwankungen zwischen den verschiedenen Ballen. Diese Einzelproben mischen Sie gut durch und wiegen die vom jeweiligen Labor benötigte Menge ab. Wichtig ist das sorgfältige Ausfüllen des Probenbegleitscheins. Das jeweilige Labor wird Ihnen dabei gerne helfen und Sie beraten, welche Untersuchungen wichtig sind. Einiges habe ich oben ja auch schon erwähnt.

 

Haben Sie dann nach ca. einer Woche das Ergebnis vorliegen, geht es an die Auswertung. 2014 wurden die Bedarfwerte für Pferde neu berechnet, diese Werte wurden veröffentlicht im Buch "Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffberechnung von Pferden" von der GfE, erschienen im DLG Verlag. Anhand dieser Werte kann man nun sehen, wo die Versorung über das Heu ausreicht und wo ergänzt werden muss.  Gerne dürfen Sie mich auch ansprechen,  denn natürlich hat nicht jeder hat Zeit und Lust, sich damit so genau zu beschäftigen.

Autorin: Almut Helwig

Quelle: www.sapodoris.de

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