Silage und Heulagefütterung

Wer kennt sie nicht, die runden weissen oder grünen Plastikballen auf den Wiesen – es sind Silage,- oder Heulageballen die immer mehr Einzug in die Pferdeställe halten. Besonders bei Pferden mit chronischem Husten wird sehr gerne die Heulage gefüttert, weil sich die anfänglichen Hustensymptome zuerst einmal verbessern. Dabei werden aber andere Organe wie Leber und Niere extrem belastet, die Darmflora des Pferdes kann zerstört werden und irgendwann kommt zu dem chronischen hustenden Pferd auch noch ein Kotwasser, Sommerekzem oder Mauke dazu.  Die Darmflora, die damit zerstört wird, lässt sich bei einem Pferd nicht mehr einfach so aufbauen, denn es gibt derzeit noch kein Darmpräparat für Pferde, mit dem man einfach die natürliche Darmflora wieder ansiedeln könnte (zumindest laut meinem derzeitigen Wissenstand).

Man kann nur noch managen und versuchen den Schaden so gering wie möglich zu halten. Die Pferde versuchen dann oft verzweifelt über Kotfressen von anderen Pferden die Darmflora wieder aufzubauen. Man kann es auch mit Bokashi oder EMa (hier haben die Photosynthesebakterien eine Platzhalterfunktion bis die Darmflora nachwächst) unterstützen. Man sollte das aber mit einem Tierarzt oder einer anderen fachkundigen Person besprechen, ob es für das jeweilige Pferd in Frage kommt.

 

Warum ist Heulage oder Silage kein geeignetes Raufutter für ein Pferd?

 

Ein Silierungsprozess ist ein Gärungsprozess, bei Heulage und Silage eine Milchsäuregärung mit Milchsäurebaktieren. Dadurch kommt es dann zur vermehrten Ansammlung dieser Milchsäurebakterien im Dünn,- und im Dickdarm des Pferdes. Dieser Anstieg verschiebt den pH-Wert in den sauren Bereich und die für das Pferd notwendigen Darmsymbionten sterben ab. Dadurch werden Toxine frei, die wiederum von der Leber abgebaut werden müssen. Die Milchsäurebakterien siedeln sich vermehrt im Darm an und verdauen die Kohlenhydrate, als Abfallprodukt entsteht jede Menge Milchsäure. Diese Milchsäure kann das Pferd zwar in Glucose umwandeln und daraus dann noch Energie ziehen, es ist allerdings um einiges aufwendiger, als wenn es das aus der Cellulose des Heus machen würde.

 

Die restliche Milchsäure wird im Bindegewebe eingelagert, dafür muss Wasser zurückgehalten werden (hier hat die Niere wieder einiges zu tun) und die Pferde schwemmen regelrecht auf – man freut sich zuerst, dass das Pferd so schön zugenommen hat, aber meistens ist es eigentlich nur eingelagerte Lymphe.

Diese Ansäuerung führt ausserdem zu einer Reizung der Darmschleimhaut, dadurch sterben Zellen in der Darmschleimhaut ab und es kommt zum sogenannten „Leaky Gut Syndrom“ – es entstehen Löcher, durch die Krankheitskeime ungehindert in den Darm eindringen können, daraus kommt es meistens zum Entstehen von Kotwasser. Gleichzeitig kommt es wie oben erwähnt zu einer Verdrängung der natürlichen Darmflora und die Milchsäurebakterien produzieren im Gegensatz zur normalen Darmflora kein aktiviertes B-Vitamin P5P (das bei Pferden immer von der Darmflora zur Verfügung gestellt wird) oder weitere B- und K-Vitamine. Die zusätzliche Belastung durch die Giftstoffe und Säuren kann zu einer Überlastung der Leber führen, die dann vielleicht keine richtige Entgiftungsfunktion mehr leisten kann. Somit kann es zu einer schleichenden Übersäuerung und Vergiftung im Pferd und zur einer KPU führen.

 

Macht man nun Heulage, das aus längerem Gras gewonnen wird und stengeliger ist, desto langsamer wird bei der Silierung der pH Wert 5 (sauer) und somit die Keimruhe erreicht. Es kommt hier sehr leicht zu Schimmelpilzbildung, die genauso die Leber belasten. Pferde reagieren sehr empfindlich bei verschimmelten Futter, bei Heu erkennt man es normalerweise sehr gut (es staubt extrem und riecht eigenartig). Heulage staubt aber im Gegensatz dazu nicht und den Schimmel kann man meist nicht erkennen. Und es bleibt auch bei der Ansammlung von Milchsäurebakterien im Darm.

 

Angebliche Vorteile der Heulage:
- hoher Energiegehalt: theoretisch ja, aber nicht für das Pferd, die Energie ist in Form von bakteriellen Eiweiss und Milchsäure vorhanden
- als Alternative für Stauballergiker: hier gibt es die Idee, das Heu zu bedampfen oder zu wässern, denn Lunge und Dickdarm haben eine enge Zusammengehörigkeit, man sollte nicht den Darm noch mehr belasten und die Lunge damit noch mehr schwächen. Es gibt einige Leute, die ihren Pferden bedampftes Heu auch im Winter füttern, klappt sehr gut!

Die Liste der Probleme, die durch Störungen der Darmflora (und in weiterer Folge der Leber und Niere) laut Dr. Fritz entstehen könnten ist lang und je nach Pferd sehr unterschiedlich:

  • Kotwasser, Durchfall, Koliken
  • Mauke, (Sommer-)Ekzem
  • Hufrehe
  • Strahlfäule, Hufabzesse
  • Lymphstau, angelaufene Beine
  • Allergien, Schlechtes Immunsystem
  • KPU

Anmerkung: natürlich kann die Darmflora auch durch andere Faktoren geschädigt werden!

 

Dazu kommt noch die Gefahr einer Botulismus Vergiftung durch das Toxin  des Clostridium botulinum, der durch ein totes Tier oder Erdpartikeln in den Heulageballen kommen kann. Das Pferd ist gegenüber diesem Gift sehr empfindlich und eine Vergiftung damit endet meist tödlich.

 

Autorin: Klaudia Schönberger; aus www.two-toned.at

Quellen: SanoAnimal Infoblatt,  Dr. Christina Fritz Vortrag „Heulage und Silage“ auf dem Artgerecht Symposium (Brakel, 15. September 2012), Helmut Meyer "Pferdefütterung", "Pferde fit füttern" von Dr. Christina Fritz S. 126ff.

 

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