Mineralfutter

Minerale (auch Mineralien) sind überwiegend kristalline, durch geologische Prozesse natürlich gebildete chemische Elemente oder chemische Verbindungen. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie anorganischer Natur, d.h. sie enthalten keine N (Stickstoff)-, O (Sauerstoff)-, C (Kohlenstoff)- oder H (Wasserstoff)-Atome (NOCH). 

Man unterscheidet die Mineralstoffe entsprechend ihrer Konzentration im Körper in Mengenelemente (mehr als 50mg pro kg Körpertrockengewicht) und Spurenelemente (weniger als 50mg pro kg Körpertrockengewicht). Eisen als Spurenelement mit ca. 60mg pro kg Körpertrockengewicht weicht von dieser Definition ab. In der allgemeinen Literatur werden Mengenelemente oft verallgemeinernd als Mineralstoffe bezeichnet, Spurenelemente hingegen differenziert abgegrenzt.

Lebensnotwendige Mineralstoffe


Die Mineralstoffe sind für die menschlichen und tierischen Körperfunktionen, aber ebenso für die pflanzliche Zelle, für Pilze und Bakterien lebensnotwendig. In diesem Zusammenhang wird häufig von „essenziellen“ Mineralstoffen gesprochen. „Essenziell“ bedeutet, dass ein Stoff lebensnotwendig ist und vom Organismus nicht selbst hergestellt werden, sondern nur über die Nahrung aufgenommen werden kann. Der Begriff ist daher im Zusammenhang mit Mineralstoffen irreführend. Der Organismus kann viele Aminosäuren, Fettsäuren, Kohlenhydrate und manche Vitamine selbst bilden, aber natürlich kein einziges chemisches Element – die Zufuhr muss immer über die Nahrung erfolgen. 


Die heutigen Bedingungen für die Herstellung von Pferdefutter (Raufutter) (Bodenbeschaffenheit, Lagerung, Artenarmut der Pferdeweiden, usw.) sind bedeutend nachteiliger als vor einigen Jahrzehnten. Umso wichtiger sollte das Bestreben sein, Tieren auf möglichst naturnahe Weise, z.B. über Kräuter, eine ausreichende Mineralstoffgrundversorgung zu garantieren. 


Funktionen der Mengenelemente


Die Funktionen der Mineralstoffe für den Organismus sind mannigfaltig und tiefgreifend. So spielen die Mengenelemente als Elektrolyte (chemische Verbindungen, die in wässriger Lösung in frei bewegliche Ionen (elektrisch geladene Atome) dissoziieren) für die Elektronenneutralität der Gewebe eine entscheidende Rolle. Als feste Mineralstoffverbindungen sind sie u.a. Bestandteil von Knochen und Zähnen. Häufig besteht ein enger Funktionsverbund zwischen einzelnen Mengenelementen, so z.B. zwischen Natrium und Kalium in Bezug auf die Nerven- und Muskelreizleitung oder zwischen Natrium und Chlor für die Regulation des Wasserhaushaltes. Natrium, Kalium und Chlor regulieren im Körper den osmotischen Druck und dadurch die Gewebespannung. Auch die Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts im Körper wird durch diese Mineralstoffe gesteuert. Phosphor als Bestandteil von Adenosintriphosphat (ATP) besitzt u.a. eine Schlüsselfunktion für die Energiebereitstellung sämtlicher Stoffwechselprozesse. Die Bildung des ATP ist wiederum abhängig von einem Enzym, das Magnesium oder Kalium als Cofaktor (Moleküle oder Molekülgruppen, die - gebunden an ein Enzym - Stoffwechselreaktionen ermöglichen) benötigt. Magnesium ist z.B. auch in Pflanzen das Zentralatom des Chlorophylls, spielt also für die Photosyntheseleistung (Energiegewinnung) der Pflanzen eine entscheidende Rolle.


Funktionen der Spurenelemente


Obwohl die Spurenelemente in nur geringsten Mengen (in Spuren eben) im Körper auftreten, sind sie von grösster Bedeutung für viele Körperfunktionen. Erleidet ein Pferd einen dauerhaften Mangel an einem speziellen Mengen- oder Spurenelement, so werden die durch diesen Mineralstoff gesteuerten Stoffwechselvorgänge gestört.


Meist sind Spurenelemente an zahlreichen enzymatischen Funktionen entweder als Bestandteil der Enzyme oder als Aktivator (Cofaktor) beteiligt. Somit nehmen sie Einfluss auf eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen:

  • Fluor ist am Aufbau von Zahnschmelz und Knochen beteiligt.
  • Jod ist für die Biosynthese von Schilddrüsenhormonen von Bedeutung.
  • manganhaltige Enzyme, die einige hundert Stoffwechselreaktionen vermitteln, spielen z.B. im Kohlenhydrat-und Fettstoffwechsel eine Rolle.
  • Kupfer als Metallatom des Enzyms Cytochrom-Oxidase ist im Energiestoffwechsel (Atmungskette) bedeutsam.
  • Kobalt ist als Zentralatom im Vitamin B12 (Cobalamin) gebunden und somit Voraussetzung für dessen Synthese.
  • Eisen spielt als Bestandteil des Hämoglobins (Blutfarbstoff) und Myoglobins (Muskelfarbstoff) eine wichtige Rolle für die Sauerstoffversorgung des Körpers. Auch ist es in zahlreichen Enzymen enthalten, die eine zentrale Bedeutung für die Zellatmung und -entgiftung besitzen.
  • Selen ist ein chemisches Element in ca. 30-50 Selenoproteinen (Selen-Eiweiss-Verbindungen). Es wirkt z.B. in dem selenhaltigen Enzym Gluthationperoxidase in Verbindung mit der Aminosäure L-Cystein als Antioxidanz.
  • Zink als mengenmässig wichtigstes Spurenelement ist am Aufbau von über 200 Enzymen beteiligt, deren Wirkungen sich auf den Zellschutz, auf Zellwachstum und -differenzierung, auf die Stärkung des Immunsystems und auf die Steuerung des Säure-Basen-Gleichgewichts erstrecken.
  • Molybdän spielt insbesondere bei Pflanzen und Bakterien für Luftstickstoff bindende Enzyme eine wichtige Rolle.
  • Chrom als Bestandteil des Glukose-Toleranz-Faktors (GTF) beeinflusst die Wirkung des Insulins im Kohlenhydratstoffwechsel.


Viel hilft viel?


Unsicherheiten bestehen durchaus bezüglich der optimalen Mineralstoffversorgung bei Pferden. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ wird oftmals eine zu gut gemeinte Überversorgung des Tieres provoziert, zumal der Futtermittelmarkt eine Vielzahl verschiedenster mineralisierter und vitaminisierter Ergänzungsfutter anbietet. Zudem sind die Auflistungen der Inhaltsstoffe und der jeweiligen Zusammensetzungen nicht immer übersichtlich. 

Es wird üblicherweise davon ausgegangen, dass im Überschuss aufgenommene Mineralstoffe vom Körper wieder ausgeschieden und so Vergiftungen vermieden werden. Dies gilt nicht für die Spurenelemente Selen und Jod, deren Aufnahme in den Körper über Diffusionsprozesse erfolgt - die Resorption unterliegt somit keiner körpereigenen Regulation und eine längerdauernde, regelmässige Zufuhr kann hier durchaus zu einer Vergiftung des Tieres führen! (siehe Artikel über Selen)


Doch auch die bedarfsübersteigende Versorgung z.B. mit Calcium, Magnesium und Phosphor ist nicht unbedenklich, denn Überschüsse müssen über die Nieren ausgeschieden werden. Erstens werden die Nieren dadurch mehr belastet und zweitens kann es zur Bildung von Harnsedimenten oder Harnsteinen kommen. 

 

In Bezug auf Fehlernährung spielt jedoch nicht nur die eigentliche Mangel- oder Überversorgung mit Mineralstoffen eine zentrale Rolle. Auch Ungleichgewichte zwischen den einzelnen Mengen- und Spurenelementen können zu tiefgreifenden Stoffwechselstörungen und Krankheitsbildern führen. Die nachfolgende Abbildung der Mineralstoff-Interaktionen nach WIESNER (1970) veranschaulicht diese Zusammenhänge:

 



Wiesner, E. (1970): Ernährungsschäden der landwirtschaftlichen Nutztiere. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena

Mineralstoffe können sich in ihrer Wirkung wechselseitig verstärken, aber auch blockieren: Hohe Dosen an Zink, Eisen oder Molybdän behindern z.B. die Kupferaufnahme. Wird Calcium im Überschuss angeboten, so kann dies eine verminderte Zink-, Mangan- und Kupferresorption zur Folge haben. Cobalt begünstigt zusammen mit Vitamin B12 und Vitamin C die Eisenaufnahme im Darm. Ein Überangebot eines Stoffes kann somit einen Mangel eines anderen Mineralstoffs bedingen, der eigentlich in ausreichender Menge im Futter enthalten ist.


Angepasst vom Text von Dr. Frauke Garbers, Biologin aus der Artgerecht-Tier.de

  

Optimale Mineralstoffversorgung

 

Oft werde ich gefragt was ich von welchem Mineralfutter halte oder welches Mineralfutter dem Pferd gegeben werden sollte. Eigentlich ist es fast unmöglich dies so zu beantworten. Um einschätzen zu können, welches Mineralfutter geeignet ist, muss man viele Faktoren berücksichtigen, wie zum Beispiel:

 

Pferd

  • Rasse, 
  • Alter
  • Gewicht 
  • Gesundheitszustand (Blutbildauffälligkeiten, Erkrankungen), 
  • Bewegung / Training
  • evt. züchterische Belange,  
  • Haltungsform
  • ...

 

Aktuelle Futterzusammensetzung / Inhaltsstoffe und Menge

  • Heu /Gras (hier ist eine Heuanalyse sinnvoll, da je nach Bodenbeschaffenheit der Bedarf ganz anders ist; Heu aus calciumreichen Böden wie zB. im Jura benötigt eine andere Supplementierung als Heu aus calciumarmen Böden)
  • Krippenfutter (siehe unten unter "Müslis")
  • sonstige Futterzugaben,
  • ...


Nur wenn man das alles kennt, lässt sich in etwa beurteilen und ausrechnen, ob ein Mineralfutter geeignet ist oder nicht für das jeweilige Pferd.

Bedarfserrechnungen beziehen sich jedoch meist auf isolierte Mineralstoffe, die Gesamtkomplexität wird ausser Acht gelassen. Die Interaktionen der Mineralstoffe, werden selten berücksichtigt.  


Weiter sollten folgende Punkte berücksichtigt werden: 

  

  • Nicht alle Formen in den Mineralien sind auch gleich gut verwertbar und werden zu 100% aufgenommen (verstoffwechselt)
  • Auch stimmt nicht, dass jedes organische Mineral besser als anorganische wäre (wird oft jedoch so behauptet). 
  • Gibt man bereits fertiges Krippenfutter (Müslis), sind darin schon mal pauschal Vitamin- und Mineralvormischungen enthalten, die auf Grundlage eines Durchschnittspferdes mit Durchschnittsbeanspruchung und basierend auf Durchschnittsheu-/-graswerten als Durchschnittstagesbedarf berechnet wurden. Ohne Berücksichtigung auf Rasse, Haltung und Region in denen es steht
  • und um dem ganzen dann noch die Krone aufzusetzen: die Angaben auf den Säcken/Eimern sind nicht immer zuverlässig und verständlich, unterliegen natürlichen Schwankungen (gilt auch und gerade für Kraftfutter) oder sind einfach nicht richtig deklariert. Zudem gehen nach Öffnung des Sackes / Eimers nach und nach Einiges flöten...



FAZIT: Die Mineralstoffversorgung der Pferde ist ein sehr komplexes (aber spannendes!) Thema. Die Grundlage davon besteht in einer artgerechten Fütterung mit Ergänzung durch abwechslungsreiche Kräuter, Baumrinden, Früchte und Wurzeln. Diese Nahrung enthält viele natürliche Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren, die im Zusammenwirken mit sekundären Pflanzenstoffen von Pferd optimal verstoffwechselt werden können. 

Dies reicht jedoch nicht immer aus und eine gezielte Supplementierung mit Mineralfutter ist dann nötig. Diese hängt jedoch von vielen Faktoren ab und muss individuell abgestimmt werden.

EQUISANA GmbH
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