Magengeschwüre durch falsche Heufütterung!

Viele unserer Pferde leiden unter Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüren. Die aus Studien gewonnenen Zahlen liegen bei bis zu 70% aller Pferde. Oft wurde dieses Problem als Sport- und Wettkampfkrankheit betrachtet. Der viele Stress der Turnierpferde verursacht die Geschwüre. Von den „Freizeitreitern" mitleidig und kopfschüttelnd bedauert. Leider hat sich bestätigt, dass auch Pferde, welche nicht ständig von Wettkampf zu Wettkampf ziehen, betroffen sind. Der Hauptgrund der Magengeschwüre ist die Fütterung.

 

Wie falsche Heufütterung unsere Pferde krank macht

Der Verdauungsapparat eines Pferdes ist dafür ausgelegt, dass dieses ca. 18 Stunden am Tag raufaserreiche Nahrung zu sich nimmt. Um das Futterangebotes eines Wildpferdes (grobes Gras und Hölzer) verdauen zu können, enthält der Darm bzw. Magen einen hohen Säureanteil. Diese Magensäure muss durch Lauge neutralisiert werden, um nicht schädigend zu wirken. Speichel enthält diese Lauge. Und das Pferd produziert durch permanentes Kauen diese wichtige Grundlage für ein gesundes Gleichgewicht. Frisst das Pferd nicht, und kaut somit auch nicht, übersäuert der Magen durch zu wenig neutralisierende Lauge.

 

Nur wenige Pferde bekommen ihr Raufutter über 18 Stunden am Tag aufgeteilt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die Menge, die dann gefüttert werden müsste, macht unsere Pferde dick und ist zu teuer. Ein dickes Pferd ist ebenfalls nicht gesund! Das ist gar keine Frage und sollte nicht die Lösung für unser Problem darstellen! Also öfter füttern und dabei die Tagesration in mehrere  Portionen aufteilen. Das hört sich gut an und wird auch manchmal in den Ställen so gehandhabt. Tagsüber. Aber in der Nacht geht das natürlich nicht. Abends gegen 17.00 Uhr gibt es Heu...schließlich will jeder zu familiären Zeiten Feierabend machen...und morgens um 9.00 Uhr gibt es die nächste Ladung...die Zeiten sind vorbei, als der Futtermeister früh um 5.00 Uhr den Tag begrüßte und abends um 22.00 Uhr die letzte Ration Heu verteilte! Und unsere Pferde? Stehen dazwischen ca. 10 Stunden ohne zu Kauen da. Zusätzlich zu den vielen Stunden ohne Futter, die sie tagsüber verbringen. Damit sie nicht zu dick werden. Oder zu teuer. Oder zu viel Arbeit verursachen.

 

Wir verteufeln Ständerhaltung, weil diese nicht artgerecht ist. Richtig so.

Wir kritisieren fehlende Bewegungsmöglichkeiten für Boxenpferde. Auch richtig so.

Wir kaufen unzählige Dinge für unser Pferd, um ihm unsere Liebe zu zeigen. Nun ja...dies kurbelt immerhin die Wirtschaft an.

Aber warum sehe ich so wenige ARTGERECHT gefütterte Pferde? Weil Magengeschwüre nicht sichtbar sind? Weil Pferde nicht schreien, wenn sie Schmerzen haben? Weil sie sich an diese gewöhnen und trotzdem weiterhin ihr Bestes geben?

 

Vielleicht...ich glaube, weil es hauptsächlich Arbeit und Mühe macht. Artgerecht bedeutet in unserem Fall oft mehr Heu, weniger Kraftfutter. Um das liebe Tier nicht an Verfettung leiden zu lassen, muss es mehr bewegt werden. Mehr Heu kostet mehr Geld. Lassen wir einfach die nächste neue Trense weg...die alte ist zwar nicht mit Glitzersteinen verblinkt, tut es aber noch ein paar Jahre. Öfter Füttern heißt mehr Zeit. Tja...was soll ich sagen. Wer seine Zeit nicht dem Hobby opfern, sondern nach Bedarf genießen möchte, sollte Tennis spielen gehen. Fressen Pferde mehr, verursachen sie mehr Mist und damit mehr Arbeit. Ihr lacht? Ich habe in den vielen Jahren meiner Reise durch Pensionsställe diese Aussagen mehr als einmal gehört.

Das sind harte Worte...ich weiß. Aber mal ehrlich: Es geht hier um unsere Pferde!

 

Viele Pferdebesitzer haben wenig Einfluss auf die Fütterung. Das übernehmen Pensionsstallbetreiber. Diese denken leider oft genug mehr an die Rentabilität, als an die Gesunderhaltung ihrer Schützlinge. Der Dienstleistungssektor Pferdestall ist... diplomatisch ausgedrückt...oft ausbaufähig. Somit wird den Besitzern oft genug die Verantwortung, aber auch die Möglichkeit verwehrt. Jede Dienstleistungsbranche ist nur so schlecht, wie der Kunde es sich gefallen lässt. Letztendlich hat der Besitzer trotzdem für das Wohlergehen seines Pferdes Sorge zu tragen.

 

Was können wir gegen Magengeschwüre tun?

Heunetze ermöglichen es, die Fresszeit über viele Stunden hinaus zu zögern. Es gibt sie mittlerweile in allen Variationen und Formen. Für jedes Pferd ist sicher das passende dabei. Befestigt man sie in verschiedenen Ecken des Auslaufes, bleibt die Gruppe zusätzlich noch ständig in Bewegung und kann sich aus dem Weg gehen. Steckt man das Heunetz noch in ein anderes Netz, wird es für die Pferde sehr anstrengend, sich jeden Halm einzeln raus zu ziehen. Viel Speichel, wenig Futter, stundenlange Beschäftigung und aus Langeweile machen sich die wenigstens Pferde diese Mühe. Viele Stallbetreiber haben auch nichts dagegen, wenn der Besitzer sich um diese Sachen selber kümmert. Und sollte es doch ein Problem geben, weil mehr Heu verbraucht wird, lässt sich das oft über einen zusätzlichen Betrag X regeln oder man kauft noch extra Heu dazu.

Natürlich kann man sich mit anderen Pferdebesitzern zusammenschließen und eine zusätzliche Heuration über den Tag hinweg organisieren. Sicher gibt es überall jemanden, der die Zeit aufbringen kann. Nachts wird es dagegen schwieriger.

 

Moderne Futterautomaten sind eine gute Alternative. Diese gibt es nicht nur für Offenställe, sondern auch für Boxen. Aber darüber machen wir uns keine Illusionen...sie sind teuer. Wer seinen Stallbetreiber dazu überreden kann, sollte eine Erhöhung der monatlichen Stallmiete in Betracht ziehen. Und schon wären wir wieder bei der neuen Trense mit Glitzersteinen...ein Futterautomat beweist eher die Liebe zum Pferd!

 

Allerdings hilft man auch schon mit kleinen Dingen. Zum Beispiel könnte man Äste und Zweige auf die Paddocks legen. In der heufreien Zeit knabbern Pferde gern die Rinde ab und speicheln somit ebenfalls.

Turniere, Stall- oder Herdenwechsel und andere Stressfaktoren verstärken die Gefahr der Magengeschwüre. Die Fütterung ist aber allgegenwärtig. Wird sie nicht „dem Organismus Pferd...artgerecht"  angepasst, wird dieses täglich neu mit dem Problem konfrontiert. Und dabei wäre es doch relativ leicht aus der Welt zu schaffen.

 

3 Mal täglich eine Portion Heu für jeweils zwei Stunden Fresszeit bietet noch nicht mal die Hälfte der benötigten Kauzeit. Nicht mal die Hälfte an benötigtem Speichel! 50% weniger Lauge, um die Magensäure zu neutralisieren! Und zwar für jedes Pferd! Egal, ob dick oder dünn, groß oder klein. Magensäure bilden sie alle.

Und mal ehrlich...wie viele Ställe füttern noch nicht mal das?!

 

Wie erkenne ich Magengeschwüre?

Magengeschwüre sind oft blutende Verletzungen der Magenschleimhaut, die durch Säure hervorgerufen werden. Diese zerstört die schützende Schleimhautschicht und beschädigt die Magenwand. Leider werden diese Verletzungen nicht immer klinisch erkannt. Krankheitssymptome können dagegen sein: häufige Koliken, mangelnde Leistungsbereitschaft, stumpfes und zottiges Fell, aufgeblähter Bauch, schlechte Futteraufnahme, Verhaltensänderungen, Abmagerung, Durchfall, saurer Geruch aus dem Maul, Kauen ohne Futter, Flehmen, Aufstossen...

Magengeschwüre kann jeden treffen!

 

Autor: Diana Zarrouk

Quelle: www.equimondi.de

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