Herausforderungen zeitgemässer Haltung

Neue Erkenntnisse aus der Forschung, die Revision der Schweizer Tierschutzgesetzgebung und eine wachsende Sensibilität der Pferdehalter führen seit 20 Jahren zu grossen Veränderungen in der Pferdehaltung. Der Anteil Pferde, die in traditionellen Haltungssystemen wie Ständen oder Innenboxen gehalten werden, nimmt stetig ab. Vermehrt nachgefragt werden moderne Sys­teme wie Auslaufboxen oder Gruppenhaltungsanlagen. Mit dem Wandel in der Pferdehaltung treten aber auch Probleme und offene Fragen auf, die früher nicht von Bedeutung waren. Die drei wichtigsten Herausforderungen einer zeitgemässen Pferdehaltung sind Fütterungsmanagement, Gruppenhaltung und erleichterter Sozialkontakt in der Boxenhaltung.

Von der angewandten Forschung wird erwartet, praktikable und finanziell tragbare Lösungen zur Umsetzung der Theorie zu entwickeln. Die Forschungsaktivitäten im Bereich Pferdehaltung sind in der Schweiz im Vergleich zu anderen Nutz­tierarten jedoch bescheiden. Das Schweizerische Nationalgestüt SNG von Agroscope in Avenches ge­hört zu den wenigen Institutionen, die Forschung in diesem Bereich betreiben. Dem Wissenstransfer in die Praxis wird grosse Bedeutung zugeschrieben. Durch zahlreiche praxisorientierte Kurse, mittels Veranstaltungen wie der alljährlichen Netzwerktagung Pferdeforschung Schweiz und der Beratungsstelle Pferd werden die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Forschung weitervermittelt.

 

Fütterungsmanagement

 

Im Sinne einer Optimierung der gängigen Pferdehaltung beschäftigen sich Forscher und Praktiker vermehrt mit dem Fütterungsmanagement. Ein wichtiger Aspekt der tiergerechten Haltung von Pferden besteht in der Möglichkeit, dass sich die Tiere lange und über den Tag verteilt mit der Futteraufnahme beschäftigen. Unter natürlichen Bedingungen deckt die Futtersuche und Futteraufnahme zwischen rund zwölf bis 16 Stunden des Tages ab. Eine zu geringe Fressdauer entspricht nicht den natürlichen Bedürfnissen und gilt als Risikofaktor für Erkrankungen des Verdauungstraktes und das Entwickeln von Stereotypien (Koppen, Weben, Boxenlaufen). Nicht nur die totale Fressdauer spielt bei der Beurteilung des Fütterungsmanagements eine Rol­le. Der Häufigkeit der Futtervorlage kommt ebenfalls grosse Bedeutung zu. Natürlicherweise machen Pferde abhängig von der Jahreszeit keine Fresspausen von mehr als drei bis vier Stunden. Bei Pferden fehlen – anders als beim Menschen – die Dehnungsrezeptoren im Magen, die ab einer gewissen Magenfüllung ein Sättigungsgefühl hervorrufen. Man geht davon aus, dass es vielmehr die Ermüdung der Kaumuskulatur ist, die dem Pferd das Gefühl gibt, satt zu sein und daher die weitere Nahrungsaufnahme hemmt. Damit sich ein wild lebendes Pferd vom kargen, energiearmen Steppengras er­nähren kann, muss es gegen 60000 Kau­schläge pro Tag ausführen. Diese Anzahl gilt als Referenzwert, welche Kauaktivität auch für domestizierte Pferde anzustreben wäre.

 

Länger fressen gegen den Frust

 

Ein Hauspferd zeigt in der Regel bedeutend weniger Kautätigkeit und ist kürzer mit Fressen beschäftigt, da die vorgelegten Futtermittel durch ihren hohen Futterwert bereits viel früher seinen Bedarf an Nährstoffen decken und daher nur rationiert angeboten werden. Es wird davon ausgegangen, dass ein Pferd ungefähr 40 bis 50 Minuten braucht, um ein Kilo grobes Heu aufzunehmen. Es führt dabei rund 3500 Kauschläge aus. Ein Kilo Hafer wird in rund zehn Minuten verzehrt und löst zirka 800 Kauschläge aus. Die somit stark reduzierte Dauer der Futteraufnahme und die geringe Kautätigkeit können zu chronischer Frus­tration führen, da das genetisch fixierte stark ausgeprägte Fressbedürfnis des Tieres nie richtig befriedigt wird. Forschungsgruppen oder auch Stallbaufirmen suchen nach Möglichkeiten, den Pferden eine arttypische ausgiebige Beschäftigung mit der Nahrungsaufnahme zu ermöglichen, ohne dass diese über­er­nährt und übergewichtig würden. Eine Hil­fe für das Testen verschiedenster zu diesem Zweck entwickelter Neuheiten ist ein am Pferdehalfter angebrachtes Messgerät, das die Kautätigkeit automatisch erfassen und aufzeichnen kann. Ein solches Gerät wurde bereits für Rinder entwickelt und nun für Pferde angepasst. Erste Resultate zeigen, dass die Mess­ge­nauigkeit hoch ist und rund 750 Kauschläge pro zehn Minuten Heufressen erfasst. Das Gerät muss aber noch weiter optimiert werden.

 

Heuraufen und Heunetze

 

Innovative Forschungsprojekte setzen einerseits bei der Gestaltung von Futterraufen oder anderen Futterdispensern an; andererseits suchen sie nach Lösungen zur besseren Verteilung der Futterrationen während des Tages mit zeitgesteuertem Zugang zum Futter. Um die Beschäftigung mit der Nahrungsaufnahme zu verlängern und die Fressgeschwindigkeit zu verringern, werden Heuraufen entwickelt, bei welchen das Rau­futter mit einem Gitter abgedeckt oder mit einem Netz überspannt wird (Spar­rau­fen). Auch aufgehängte Heu­netze können diesen Zweck erfüllen. Der Maschen- oder Gitterweite kommt dabei grosse Bedeutung zu. In einem Versuch am SNG konnte bei einer Maschenweite von viereinhalb mal viereinhalb Zentimetern noch keine erhebliche Reduktion der Fressgeschwindigkeit festgestellt wer­den, erst ab drei mal drei. Ein Versuch am Wissenschaftszentrum Weihenstephan (GER) mass bei einer Maschenweite von vier mal vier Zentimetern eine Verdoppelung der Fress­zeit im Vergleich zu lose am Boden vorgelegtem Heu.

 

Am Halfter angebrachtes Messgerät zur automatischen Erfassung der Anzahl Kauschläge.

 

Bei Heunetzen ist zu beachten, dass sie nicht zu hoch angebracht werden, was zu einer unphysiologischen Kör­per­haltung beim Fressen führt. Hängen die Netze allerdings zu tief, kann ein Hineintreten und Hängenbleiben oder ein Einklemmen des Netzes nicht ausgeschlossen werden. Der tiefs­te Punkt des Netzes sollte sich 30 bis 50 Zentimeter über dem Boden befinden. Auch bei fix montierten Raufen ist auf die natürliche Körperhaltung der Tiere zu achten. Idealerweise fressen die Pferde mit gesenktem Kopf und zupfen das unten liegende Heu mit einer dem Grasen ähnlichen Bewegung aus dem Netz oder zwischen den Gitterstäben heraus. Es bestehen allerdings bereits Befürchtungen, dass sich Pferde durch dieses Verhalten vermehrt ihre eigenen Tasthaare am Maul abscheuern. Vertikal angebrachte Raufen, wo das Pferd den Kopf seitlich verdrehen und allenfalls die Unterhalsmuskulatur vermehrt anspannt, um Heu herauszuziehen, könnten zu negativen Auswirkungen auf die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat füh­ren. Wissenschaftlich fundierte Resultate, die diese Befürchtungen bestätigen, gibt es jedoch noch nicht. Der Forschungsbedarf ist vorhanden, um solche Hypothesen auch zu objektivieren.

 

Mit Gitter abgedecktes Raufutter (oben Sparraufe, unten Vertikalraufe) zur Verlängerung der Fresszeiten.

 

 

Fütterungseinrichtungen werden von den Pferden in der Regel geduldig und ausgiebig bearbeitet und sind oft unterschätzten Belastungen ausgesetzt. Wurde ein Netz zerrissen oder ist eine Raufe defekt, kann dies zu einem Verletzungsrisiko führen. Ge­wisse Modelle von Heu­spendern sind daher speziell robust und aus splittersicherem Material hergestellt. Zeitgesteuerter Zugang zum Rau- und Kraftfutter soll ebenfalls der natürlicheren Nahrungsaufnahme dienen, indem die Futterrationen ohne Mehraufwand für den Betreuer auf häufigere Portionen verteilt werden.

 

Weidegang dosieren

 

Gerade bei leichtfuttrigen Pferden und speziell bei für Hufrehe anfälligen Tieren wird der Weidegang oft auf wenige Stunden reduziert, um die Grasaufnahme tief zu halten. Forscher in Amerika konnten zeigen, dass die Fressgeschwindigkeit und so­mit die Menge des aufgenommenen Grases pro Stunde stark zunimmt, je kürzer die zugestandene Weideperiode ausfällt. Erhielten Pferde während 24 Stunden pro Tag Weidegang, nahmen sie im Durchschnitt 0,35 Kilo Gras pro Stunde auf, bei sechs Stunden Weidegang 0,75 Kilo und bei nur drei Stunden Weidegang ein Kilo – fast dreimal mehr als bei permanenter Weidehaltung. Es kann also sein, dass eine gut gemeinte Einschränkung der Weidezeit genau das Gegenteil, nämlich eine erhöhte Grasaufnahme bewirkt. Seit längerem werden auch verschiedene Maulkorbmodelle als Fressbremsen auf dem Markt angepriesen, welche das Grasen auf der Weide zwar nicht verhindern, aber erschweren und somit die Futteraufnahme reduzieren. Der Einsatz solcher Fress­bremsen ist aber nicht bei allen Pferden gleichermassen erfolgreich und unproblematisch. Einigen gelingt es regelmässig, sich davon zu befreien und andere verfallen in eine scheinbar tiefe Resignation, ähnlich dem Phänomen einer «erlernten Hilflosigkeit». Es gilt zu untersuchen, ob eine aus­ge­lös­te Frustration bei den Pferden höher einzustufen ist als der Nutzen dieser Fress­brem­sen. Zudem ist zu beachten, dass das Tragen eines Maulkorbes das Sozial- und  Körperpflegeverhalten sowie allenfalls die Wasseraufnahme stört. Im Übrigen kann es zu unerwünschten Haut- und Haar­abrieben kommen.

 

Maulkörbe sind als Fressbremsen nicht für jedes Pferd unproblematisch.

 

Alle diese Methoden zur Verbesserung des Fütterungsmanagements haben Vor- und Nachteile und sind von einer allgemein gültigen und optimalen Lösung noch weit entfernt. Das Ziel ist es, die Futteraufnahmedauer zu verlängern und die Kauaktivität zu erhöhen, ohne dass die Pferde dadurch zu dick werden. In Vergessenheit gerät dabei manchmal das Hauptproblem – zu wenig Bewegung in Kombination mit gehaltvollen Futtermitteln, welche sich zu stark von den in der Natur verzehrten rohfaserreichen und ansonsten gehaltarmen Steppengräsern unterscheiden.

 

Gruppenhaltung

 

Der Anteil Pferde in Gruppenhaltung stieg in der Schweiz zwischen 1997 und 2002 von 15 Prozent auf 30 Prozent an. Neuere Zahlen fehlen; der Trend dürfte aber anhalten. Gruppenhaltung entspricht einerseits dem Wunsch vieler Pferdebesitzer, ihren Tieren ein naturnaheres Leben zu gewähren. Andererseits verweist eine Analyse verschiedener Betriebstypen auf eine höhere Wirtschaftlichkeit dieser Haltungsform im Vergleich zur Boxenhaltung. Die deutlich höheren Gewinne aufgrund geringerer Kosten dürften manchen landwirtschaftlichen Pensionsstall motivieren, sich für die Gruppenhaltung zu entscheiden. Die Haltung von Pferden in Gruppen ist aber nicht einfach; diverse Herausforderungen gilt es, ernst zu nehmen. Die zu­neh­men­de Verbreitung dieses Haltungssystems fordert konkrete Angaben zu baulichen Voraussetzungen, wie zum Beispiel der Gestaltung des Liegebereichs, inklusive der Antwort, welche Qualität und Quantität an Einstreu ideal ist. Die Notwendigkeit von Einstreu wird gerade von Robustpferdehaltern oft­mals angezweifelt. Aus arbeitstechnischen und finanziellen Gründen wird teilweise ganz darauf verzichtet, obwohl Einstreu gemäss Tierschutzverordnung vorgeschrieben und aus hygienischer Sicht unabdingbar ist. Nötig sind auch bessere Kenntnisse zu risikoarmen Integrationsformen neuer Gruppenmitglieder und zu der geeigneten Zusammenstellung von Pferdegruppen. Denn, eine Pferdegruppe ist ein komplexes soziales Gefüge und kein zufälliges Aufeinandertreffen einzelner Individuen. Verschiedene Methoden der Eingliederung neu­er Pferde werden in der Praxis angetroffen. Es kommt am wenigsten zu sozialen Auseinandersetzungen und somit Verletzungen, wenn das neue Pferd zuerst mit nur einem sehr freundlichen Gruppenmitglied für einige Tage ausserhalb der Gruppe gehalten wird. Erst wenn die beiden Kumpel geworden sind, werden sie in die Gruppe gelassen.

 

Genügend Raum und geeignete Gestaltung

 

In der Gruppenhaltung ist speziell zu beachten, dass alle Pferde eine individuell angepasste Bedarfsdeckung, genügend Erholungsphasen und kein erhöhtes Verletzungsrisiko oder chronischen sozialen Stress erfahren. Eine Grundvoraussetzung dafür ist genügend Raum und eine geeignete Gestaltung und Strukturierung dieses Raumes. Die Minimalfläche soll etwa 330 Quadratmeter pro Pferd betragen, damit keine aggressiven Auseinandersetzungen auftreten. Solche Raumansprüche sind in der Schweiz aufgrund der beschränkt vorhandenen Flächen – und nicht zuletzt wegen der strengen Raumplanungsvorschriften – nicht erfüllbar. Die seit dem 1. Mai 2014 gelockerten Bestimmungen zur Pferdehaltung in der Landwirtschaftszone schaffen etwas Abhilfe, da landwirtschaftliche Gewerbe künftig zonenkonform Pen­sionspferde halten dürfen und die dafür notwendigen Infrastrukturen (Ställe, Reit­plätze, befestigte Auslaufflächen) bis 150 Quadratmeter pro Pferd erstellen können. Grosszügiger dimensionierte Allwetterausläufe werden auch kleinere Betriebe und Hobbypferdehalter in der Landwirtschaftszone befestigen dürfen, Neubauten bleiben aber weiterhin verboten. Auch wenn durch die Revision des Raumplanungsgesetzes Erleichterungen zu erwarten sind, bleiben die Flächen bescheiden. Bei beschränktem Platz kommt einer geeigneten Strukturierung des Rau­mes und der Gestaltung des Auslaufs grosse Bedeutung zu.

 

Auf kleinem Raum ist eine gute Struktur der Gruppenhaltung das «A und O».

 

 

Auch im Liegebereich sind Strukturierungselemente von grosser Wichtigkeit.

Trennwände und Raum­un­ter­tei­lun­gen können eine scheinbare Distanz schaffen und Konflikte vermeiden. Eine intelligente Einteilung der vorhandenen Flä­che in Fress-, Ruhe- und Ak­ti­vi­täts­be­rei­che animiert zur Bewegung und hilft, sozialen Stress sowie Verletzungen zu verhindern. Studien zum Einfluss neuer Strukturelemente in Einraum-Gruppenlaufställen des Gestütes Marbach (GER) konnten eine deutliche Abnahme der Anzahl Aggressionen nachweisen. Allerdings wurden noch zu wenig verschiedene Möglichkeiten (Höhe der Elemente, Materialien, ide­ale Anbringungsorte) verglichen, um eine umfassende Anleitung zu geben. Daher ist beim Einbringen von Strukturelementen Ideenreichtum, Erfahrungsaustausch oder professionelle Beratung gefragt. Meist sind individuell an bestehende Gegebenheiten angepasste Lösungen notwendig. Zu vermeiden ist in jedem Fall das Schaffen von Sackgassen oder Engpässen.

 

Zugeteilte Rationen

 

Computergesteuerte Futter­abrufsysteme kennt man in der Gruppenhaltung anderer Nutztiere bereits gut, bei deren Einsatz für Pferde sind jedoch noch einige Fragen offen. Wie lässt sich vermeiden, dass Pferde unter Umständen zu lange im Abrufstand verweilen und auf eine weitere Portion Futter warten? Nicht ganz konform mit der Tierschutzgesetzgebung wird darum in gewissen Sys­temen eine Austreibehilfe eingesetzt, welche dem Pferd einen leichten Stromschlag versetzt, wenn es den Futterstand nach Futteraufnahme nicht selbstständig verlässt. Ein anderer Nachteil liegt darin, dass die natürlicherweise gleichzeitig erfolgende Futteraufnahme der Pferde aufgrund der Einzelabrufstationen verhindert wird. Hingegen kann man mit Hilfe dieser Sys­teme jedem Pferd individuell und bedarfsgerecht seine Rationen zuteilen und die Futteraufnahme über 24 Stunden verteilen. Die individuelle Zuteilung wird immer wichtiger, da sich Pferdegruppen oft aus kleinen und grossen, genutzten und nicht genutzten sowie aus alten und jungen Tieren zusammensetzen. Es muss da­für gesorgt werden, dass auch rangtiefe Pferde ungestört und in Ruhe fressen können.

 

Aspekte der Bewegung

 

Mit der Entwicklung von Bewegungs- oder Aktivställen, welche Pferde zu vermehrter Aktivität oder zu grossen täglich zurückgelegten Laufdistanzen animieren, kommt der Wahl nach geeigneten Bodenbelägen in Ausläufen noch grössere Be­deutung zu als bisher. Ge­mäss ersten Resultaten von GPS-Messungen legen Pfer­de einer «normalen» Gruppenanlage ungefähr fünf Kilometer pro Tag zu­rück (mindestens zwei, höchs­tens acht). Messungen in grosszügigen Bewegungs- und Ak­tiv­stäl­len aus Deutschland er­gaben zu­rück­ge­leg­te Dis­tan­zen von bis zu über elf Kilometer in 24 Stunden. Bei der zunehmenden Anzahl unbeschlagener Pferde erfolgt teilweise ein zu hoher Abrieb des Hufes. Empfindliche Hufe, klammes Gehen und sogar Huflederhautentzündungen können die Fol­ge sein. Es gilt, geeignete Bodenbeläge zu testen und Empfehlungen zu formulieren, damit diese im Prinzip anzustrebende, vermehrte Bewegung der Pferde nicht neue Probleme auslöst.

 

Barhufpferde in Aktiv- und Bewegungsställen erfordern Lösungen für geeignete Bodenbeläge .

 

Erleichterter Kontakt bei Einzelhaltung

 

Die Mehrheit der Pferde in der Schweiz wird nicht in Gruppenhaltung, sondern in Boxen untergebracht. Neu­ere Forschungsarbeiten belegen, dass der Körperkontakt zwischen Artgenossen bei sozialen Interaktionen eine wichtige Rolle spielt. Die Möglichkeit, physische Kontakte mit Artgenossen zu pflegen, wird als Grundbedürfnis von Pferden bezeichnet. Die praxisgängigen Pferdeboxen verhindern aber diese Berührungen durch die eng angebrachten Vertikalrohre im oberen Teil der Boxentrennwand, die das Risiko von Auseinandersetzungen zwischen Nachbartieren ein­dämmen.

 

Die Einzelhaltung ist in der Schweiz sehr verbreitet.

 

Speziell angefertigte Boxenwände – Kurtz-Boxen oder Sozial-Boxen – die zur Hälfte aus einer geschlossenen Bretterwand und zur anderen Hälfte aus vertikal angeordneten Gitterstäben bestehen, wurden in einen der Ställe am SNG eingebaut. Dank vergrössertem Abstand zwischen den vertikalen Gitterstäben ist es den Hengsten möglich, Körperkontakt mit ihren Nachbarn aufzunehmen und so zum Beispiel die arttypische soziale Fellpflege aus­zu­füh­ren. Gleichzeitig können sie sich aber auch zurückziehen, indem sie hinter dem geschlossenen Trennwandteil stehen.

 

Einzelboxenhaltung mit erleichtertem Sozialkontakt.

 

Bisher wurden 32 Hengste während je eines Monats in diesen Boxen gehalten, oh­ne dass es zu Biss- und Schlagverletzungen kam. Die Forschenden möchten noch untersuchen, ob die im neuen Boxen­sys­tem gehaltenen Hengste durch den vermehrten Sozialkontakt ihr Kontaktbedürfnis auch während der Nutzung ausleben wollen, also eine erhöhte Motivation aufweisen, mit anderen Pferden zu interagieren. Je nach Art der Nutzung ist dies unter Umständen absolut unerwünscht und birgt allenfalls sogar die Gefahr von Unfallrisken für Mensch und Tier. Auch hier ist somit noch Forschungsbedarf gegeben.

 

Fundierte und anwendbare Antworten nötig

 

Die Herausforderungen für eine zeitgemässe Pferdehaltung liegen vor allem im Fütterungsmanagement, in der baulichen Gestaltung und im Management von Gruppenanlagen sowie in der Optimierung der häufigeren Einzelboxenhaltung. Lösungsvorschläge haben nur dann eine Breitenwirkung und Zukunft, wenn die verschiedenen Interessen in ein und demselben praxistauglichen und finanziell tragbaren Konzept be­rück­sichtigt werden. Es gilt, den Ansprüchen der Pfer­de, aber auch denjenigen der Pferdehaltenden gerecht zu werden. Die angewandte Forschung im Bereich der Pferdehaltung hilft mit, neu auftauchende Fragen für die Praxis zu beantworten.

 

Autorin: Iris Bachmann (Forschungsgruppenleiterin "EquiTeach"; Haras National Suisse, Avenches)

Artikel erschienen in der PferdeWoche Nr 11/2015; 24.03.2015)

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