Artgerechte Fütterung

Da ich immer wieder gefragt werde, was eigentlich zu einer natürlichen und artgerechten Pferdefütterung gehört, habe ich mich entschieden, diesen kleinen Artikel zu schreiben um ein paar Grundsätze, die jeder Pferdebesitzer wissen sollte, zu erläutern.

 

Die Basis einer artgerechten Pferdefütterung ist Raufutter bzw. Heu. Dies hat mit der Vergangenheit unserer Pferde zu tun. Als ehemalige Steppenbewohner waren sie den Grossteil des Tages damit beschäftigt, energiearmes Raufutter zu sich zu nehmen. 

Das sollte auch unbedingt beibehalten werden, da der gesamte Verdauungstrakt des Pferdes auf die ständige Futteraufnahme ausgelegt ist. 

 

Die Faustregel zur Berechnung des täglichen Raufutterbedarfs lautet: 

Täglich mindestens 1,5 - 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht. 

Die Raufutteraufnahme sollte regelmässig über den ganzen Tag (und die Nacht!) erfolgen und zu lange Fresspausen (länger als 3-4 Std) sollten unbedingt vermieden werden. Ansonsten können gesundheitliche Probleme auftreten. Mehr zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln über Heufütterung und Magengeschwüre

 

In unseren Gegenden ist das Heu meistens sehr energiereich und artenarm, da unsere Wiesengräser überwiegend für die Landwirtschaft gedacht und auf den Futterbedarf von Rindern angepflanzt wurden. Das Gras wird also auf Schmackhaftigkeit, Masse und Energiereichtum gezüchtet. Schmackhaftigkeit heisst süss - süss bedeutet einen hohen Fruktangehalt. Deswegen haben viele (Robust)Pferde und vor allem Ponys mit einem Übergewichtrisiko zu kämpfen, wenn sie rund um die Uhr Heu zur Verfügung haben und dabei zu wenig arbeiten müssen. Hier kann man mit sogenannten "Slow Feeders" Abhilfe schaffen, wie zum Beispiel mit engmaschigen Heunetzen. EQUISANA bietet eine vielfalt an verschiedenen Heunetzen an, die die Fresszeiten deutlich verlängern können.  

 

Das Heu kann auch mit Stroh untergemischt und somit "gestreckt" werden um die Fressdauer zu verlängern. Der Anteil Stroh sollte aber nicht mehr als 30% der totalen täglichen Raufütterung ausmachen; ansonsten riskiert das Pferd eine Verstopfungskolik. Stroh ist rohfasereicher als Heu und enthält weniger Energie als dieser. Auch Pferde, die auf alternative Einstreu eingestallt werden, sollten täglich Stroh zum knabbern erhalten. 

 

Ich empfehle auch oft die Fütterung von Holz in Form von feinen Ästen samt Blätter und Rinde, um die Fressdauer zu verlängern und das Kaubedüfnis der Pferde zu befriedigen. 

Gehölze können eine wertvolle, natürliche Futterergänzung sein, Futterpausen überbrücken und gegen Langeweile helfen. Sie enthalten nicht nur Nährstoffe (u.a Rohfaser, Eiweisse, Kohlenhydrate) sondern auch Mineralstoffe (Mengen- und Spurenelemente). Der Anteil Holz / Äste sollte nicht mehr als 10% der täglichen Raufutterration ausmachen. 

 

Nicht jedes Gehölze ist aber für die Fütterung von Pferden geeignet, da gewisse Bäume und Sträucher für Pferde giftig sein können! In der Regel können ungespritzte Obstbäume, Haselnuss, Birke, Esche, Pappel, Himbeere, Brombeere (Blätter), Weissdorn oder Weide problemlos verfüttert werden. Weide enthält jedoch das natürliche Entzündungshemmer Salicylsäure (daraus wurde ursprünglich das Aspirin hergestellt) und hat eine schmerzlindernde Wirkung und kann auch einen positiven Resultat bei der Dopingkontrolle verursachen!

 

Diese wohl natürlichste Form der Pferdeernährung reicht aber in der Regel nicht aus, um den kompletten Bedarf an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen zu decken. Deshalb empfiehlt sich die Zufütterung eines hochwertigen Mineralfutters. Somit können Versorgungsdefizite ausgeglichen werden. Mehr zum Thema Mineralfutter finden Sie hier.

 

Auch kann zum Teil der Energiebedarf bei arbeitenden Pferden nicht alleine über das Raufutter gedeckt werden. Schwerfuttrige oder alte Pferde kommen ebenfalls meist nicht alleine mit dem Raufutter aus. Deshalb kann ergänzend Kraft- oder Krippenfutter verabreicht werden. Hierbei handelt es sich üblicherweise um Getreide oder Getreidemischungen.  Um der artgerechten Pferdefütterung gerecht zu werden, sollten auch niemals zu grosse Mengen Krippenfutter gegeben werden. Lieber mehrere kleinere Portionen über den Tag verteilt als 2 grosse Futtergaben. Fehler bei der Fütterung können schwerwiegende Folgen (z. B. Koliken) mit sich bringen. Die Krippenfuttergabe sollte immer erst NACH der der Raufütterung erfolgen (min. 30' Zeit dazwischen).

 

Krippenfutter für Pferde

Um das Krippenfutter so natürlich wie möglich zu halten, achten Sie darauf, dass keine künstlichen Farb- und Aromastoffe enthalten sind und werfen Sie einen Blick auf die Zusammensetzung des Futters. 

 

Grundsätzlich sollte es vom jeweiligen Pferd abhängig gemacht werden, ob neben Rau- und Mineralfutter noch Krippenfutter erforderlich ist. Die Menge bzw. Ration ist von folgenden Eigenschaften des jeweiligen Pferdes abhängig: 

- Ernährungszustand und Körpergewicht

- Zu erbringende Arbeitsleistung / Bewegung

- Äussere Einflüsse / Haltungsbedingungen / Jahreszeit

- Energiegehalt des Futters (kann variieren)

 

Um den tatsächlichen Bedarf Ihres Pferdes zu ermitteln, können Sie sich natürlich mit uns in Verbindung setzen zwecks einer Fütterungsberatung.

 

Was braucht es noch?

Was auch auf keinen Fall fehlen darf, ist der freie Zugang an frischem Wasser. Ein Pferd mit 500kg braucht, im Erhaltungsbedarf und bei Aussentemperaturen bis zu ca. 20°C, minimum 20-40 Liter Wasser pro Tag.

Diese Menge kann jedoch massiv steigen, wenn die Aussentemperaturen erhöht sind, das Pferd schwitzt (Training oder Hitze) oder es viel (nur) Heu frisst (im Vergleich: Gras enthält ca. 60-80% Wasser; Heu dafür nur 7-10%).

Am besten ist es, man lässt Wasser zur freien Verfügung. Aber bitte die tägliche Kontrolle der Tränken oder Wasserbecken nicht vergessen! Pferde reagieren sehr empfindlich auf Verschmutzungen aller Art (zB.Vogelkot, tote Insekten) oder fremde Geruche und können deswegen die Wasseraufnahme verweigern. 

Auch wenn das Wasser im Winter sehr kalt ist, können gewisse Pferde sensibel reagieren und weniger Wasser konsumieren. Deswegen empfiehlt sich, in dieser Jahreszeit, temperiertes Wasser anzubieten (7 - 15°C). Sonst können Koliken die Folge sein. 

 

Salz, zB in Form von einem Salzleckstein,  sollte auch das ganze Jahr zur freien Verfügung stehen.

Im Winter steigert die Salzzugabe die Wasseraufnahme, was für die oben genannten Gründen, gut ist. Im Sommer ersetzt die Salzaufnahme den Verlust durch den Schweiss. Ein ausgewachsenes Pferd braucht täglich ca. 30ml Salz (Natriumchlorid). Bei Hitze, Feuchtigkeit und Bewegung steigt der Bedarf umso mehr. Im Heu ist meistens nicht genügend Salz enthalten. Deswegen sollte ein Salzleckstein zur freien Verfügung stehen um diesen Bedarf zu decken. Dieser Salz sollte so natürlich wie möglich sein und kein zugesetztes Iod oder Fluor enthalten!

 

Zusatzfutter: ja oder nein?

Diese Frage kann man nicht pauschal antworten. Es ist abhängig von vielen Faktoren wie zB Alter, Ernährungs- und Gesundheitszustand eines jeweiligen Pferdes. 

 

Viel hilft nicht viel, bzw weniger ist oft mehr! Es ist wesentlich besser, bedarfsgerecht und kurweise zB Kräuter oder sonstige Zusätze zuzufüttern, wenn die Grundfütterung nicht den (Erhaltungs)bedarf deckt.

Je nach Heuqualität macht es Sinn, natürliche Fettsäuren in Form von zB Chia- oder Leinsamen zuzufüttern.  Auch eine Handvoll Sonnenblumenkerne pro Tag ist eine gute Fettsäurenquelle. Diese Samen können vom Körper viel besser verstoffwechselt werden als die Zugabe von reinem Öl.

 

Vitamin A ( Vorstufe = Beta Carotin) und Vitamin D sind im Gras reichlich enthalten. Deswegen macht eine Fütterung dieser Vitamine im Sommer wenig Sinn. Diese Vitamine gehen im Heu verloren, je länger das Heu gelagert wird. Deswegen macht es Sinn, im Winter, ein vitaminisiertes Mineralfutter zu geben. 

 

Vitamin C geht im Heu verloren. Allerdings können jüngere Pferde dieses Vitamin selber produzieren. Nur bei alten Pferden, von der die Leber sich teils schwer macht, dieses Vitamin zu produzieren, kann unter Umständen die Zugabe dieses Vitamins sinnvoll sein. 

 

Eiweisse wurden jahrelang verpönt bzw galten als mögliche Ursache von Hufrehe und wurden daher in der Pferdfütterung stark vermieden. Jedoch braucht der Körper diese Grundbausteine um es gesund zu erhalten. Viele Stoffwechselvorgänge, wie zum Beispiel das Immunsystem, brauchen Eiweisse um korrekt zu funktionnieren. Auch die Produktion von Hufhorn, Fell und Haare benötigt genügend Eiweiss. Ganz speziell bei Pferderassen mit viel Haare und Behang, wie Friesen, Tinker oder Spanier, sollte eine genügende Versorgung mit Eiweisse gewährleistet sein. Wenn dies im Heu fehlen sollte, kann man da hervorragend mit speziellen Aminosäurenpräparaten ergänzen.

 

Bevor man irgend ein Zusatzfutter seinem Pferd gibt, sollte man sich fragen, was man damit erreichen möchte und wie die Grundversorgung des Pferdes aussieht. Nur weil der Stallkollege Produkt X seinem Pferd gefüttert und gute Resultate erzielt hat, heisst es noch lange nicht, dass IHR Pferd es auch braucht oder so gut darauf reagieren wird. Jedes Pferd ist anders und man sollte immer individuell schauen!

 

Zusammenfassung des artgerechten Fütterungsbedarfs eines Pferdes

- Täglich: Wasser, Salz, genügend Raufutter (Gras, Heu, Stroh, Äste) rund um die Uhr. Lange Fresspausen vermeiden. 

- Kurweise: Mineral- und Vitaminpräparate, Ölsaaten, Kräuter

- bei Bedarf: Kraftfutter, Zusatzfutter

 

Falls Sie selbst zu unsicher sind, was Ihr Pferd genau braucht und Sie im Dschungel der ganzen Futtermittel und Futtermittelzusätzen verloren sind, dann zögern Sie doch nicht mich zu kontaktieren. Ich berate Sie gerne!

 

EQUISANA GmbH
Gränicherweg 13
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Mail: info[at]equisana.ch

 

Abholungen jederzeit gerne möglich. Da kein Laden vorhanden, bitte um kurze Voranmeldung.

 

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